Ein Mann am Schreibtisch mit sehr viel Papierkramm und einem Laptop

Digitalisierungscheck für Planungsbüros: Wo steht dein Büro wirklich?

Jonas Strübig
5 Min. Lesezeit

Wir führen bei Spreadity zwei Arten von Gesprächen besonders oft.

Büros, die sagen: "Wir machen da noch fast nichts digital." Beim genaueren Hinschauen stellt sich heraus, dass sie Projektstunden digital erfassen, Projekte strukturiert anlegen und eine ordentliche Website haben. Sie sind weiter als gedacht, haben aber kein klares Bild davon.

Büros, die sagen: "Bei uns ist das kein Thema." Beim genaueren Hinschauen stellt sich heraus, dass Urlaubsanträge per E-Mail kommen, niemand so genau weiß ob ein laufendes Projekt noch im Budget ist, und die Website seit Jahren nicht angefasst wurde.

Beide Antworten sind ehrlich gemeint. Beide stimmen nur halb.

Was Digitalisierung für ein Planungsbüro konkret bedeutet

Digitalisierung ist kein binäres Ding. Es gibt kein "jetzt seid ihr digital". Es ist eher ein Kontinuum, und es hängt stark davon ab, was für das eigene Büro relevant ist.

Was ein Softwareunternehmen unter digital versteht, ist für ein Planungsbüro mit fünfzehn Mitarbeitenden weder erreichbar noch sinnvoll. Was wirklich zählt, ist deutlich konkreter: weniger manueller Aufwand, mehr Überblick, Entscheidungen die auf echten Daten basieren und nicht auf dem Bauchgefühl.

Wer Projektstunden konsequent digital erfasst, Abwesenheiten über ein System verwaltet und eine Website hat, die potenzielle Mitarbeiter nicht gleich wieder verschreckt, ist in vielen Büros schon im oberen Drittel.

Die richtige Frage ist nicht: "Sind wir so digital wie ein Tech-Unternehmen?" Die richtige Frage ist: "In welchen Bereichen kostet uns der aktuelle Stand täglich Zeit, Geld oder Nerven?"

Sieben Bereiche, in denen es wirklich darauf ankommt

Zeiterfassung

Das ist meistens der erste Bereich, den man anschaut, und oft der, bei dem am meisten Luft nach oben ist.

Stunden zu erfassen ist eine Sache. Stunden so zu erfassen, dass man daraus etwas lernen kann, ist eine andere. Wer Stunden auf Projekte bucht, hat Zahlen. Wer sie auf Leistungsphasen bucht, hat Steuerung.

Der Unterschied macht sich spätestens bemerkbar, wenn man am Ende eines Projekts nicht sagen kann, warum LPH 5 wieder länger gedauert hat als kalkuliert. Und dann beim nächsten Projekt dieselbe Kalkulation macht.

Projektmanagement

Wie behaltet ihr den Überblick, wer gerade an was arbeitet? Und wie merkt ihr, ob ein Projekt noch im Budget ist?

In großen Unternehmen gibt es dafür eigene Strukturen und Reporting. In einem Planungsbüro mit fünfzehn Mitarbeitenden liegt das alles auf ein paar Schultern, meistens auf denen der Projektleitung.

Viele Büros lösen das über persönliche Absprachen und regelmäßige Besprechungen. Das funktioniert bis zu einer bestimmten Bürogröße gut, und hört dann irgendwann auf, es zu tun. Nicht dramatisch, sondern schleichend. Man merkt es oft erst, wenn ein Projekt schon tief im Minus ist, oder wenn jemand überlastet ist ohne dass es jemand mitbekommen hat.

Team und HR

Wer kennt das nicht: Die Urlaubsliste läuft in einer Excel-Datei, die jemand manuell pflegt. Überstunden werden mündlich vereinbart oder irgendwo aufgeschrieben und dann vergessen. Und wenn jemand krank wird, ist unklar, wer die offenen Aufgaben übernimmt.

In einem Büro mit fünf Personen ist das kein Problem, weil jeder alles weiß. Ab einem gewissen Punkt fängt es an, regelmäßig Aufwand zu produzieren, den niemand wirklich einplant. Das ist meistens der Moment, in dem ein einfaches System den Unterschied macht.

Marketing und digitale Präsenz

Für die meisten kleinen Büros kommen Aufträge über Empfehlung. Die Website ist dann der zweite Eindruck: Jemand hat den Namen gehört und schaut kurz nach. Dafür reicht eine ordentliche Projektgalerie.

Für Bewerber gilt das nicht. Wer qualifizierte Mitarbeiter gewinnen will, braucht mehr: echte Gesichter, eine klare Aussage darüber, wie der Alltag dort aussieht, und Informationen, die eine Bewerbungsentscheidung erleichtern. Wer das nicht hat, verliert Kandidaten, bevor es überhaupt zu einem Gespräch kommt.

Tools und Software-Stack

Wie viele Tools nutzt ihr gerade? Und wie viele davon überschneiden sich?

Die meisten Büros haben einen Tool-Stack, der über Jahre organisch gewachsen ist. Jedes Tool hatte damals seinen guten Grund. Irgendwann nutzt man fünf verschiedene Dinge, die sich teilweise überlappen, und Informationen liegen an drei verschiedenen Orten. Kein Büro entscheidet sich bewusst dafür. Es entsteht einfach so.

Es geht nicht darum, möglichst wenige Tools zu nutzen. Es geht darum, dass das, was täglich genutzt wird, wirklich zusammenpasst und keine Daten doppelt eingegeben werden müssen.

KI und Automatisierung

Das Thema, bei dem gerade viele das Gefühl haben, nicht mithalten zu können.

Die Realität ist nüchterner. Die meisten Büros experimentieren mit KI-Tools für Texte oder die Recherche. Wenige haben es wirklich in den Alltag integriert. Das liegt meistens nicht an fehlendem Willen, sondern daran, dass die Grundlage fehlt: saubere Prozesse, strukturierte Daten, klare Abläufe.

KI hilft dort, wo es bereits gut läuft, noch besser zu werden. Wo grundlegende Lücken bestehen, macht sie diese eher sichtbarer, nicht kleiner. Wer hier ehrlich mit sich ist: Wenn die Zeiterfassung noch nicht konsequent klappt, ist KI-Automatisierung kein sinnvoller nächster Schritt.

Strategie und Ziele

Der weichste der sieben Bereiche, und gleichzeitig der, der alle anderen einrahmt.

In großen Unternehmen gibt es Strategieabteilungen, Jahresklausuren und eigene Planungsprozesse dafür. In einem Planungsbüro mit zwanzig Mitarbeitenden hat niemand eigens dafür Zeit. Die Inhaberin kümmert sich gleichzeitig um laufende Projekte, Akquise und Mitarbeiterentwicklung, und irgendwie auch noch um die Frage, wohin das Büro in fünf Jahren stehen soll.

Wenn ein Büro das nicht klar hat, wird jede Investitionsentscheidung schwierig. Ob eine neue Zeiterfassungslösung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob das Büro wachsen will. Ob mehr Marketing Sinn ergibt, hängt davon ab, welche Art von Projekten und Mitarbeitern man gewinnen möchte.

Das klingt nach mehr als Digitalisierung. Aber ohne diesen Rahmen laufen einzelne Maßnahmen oft ins Leere, egal wie gut sie umgesetzt sind.

Wie du deinen eigenen Stand einschätzt

Sieben Bereiche gleichzeitig im Kopf zu behalten und ehrlich einzuschätzen, wo man wirklich steht, ist nicht so einfach.

Genau dafür haben wir den Spreadity Digitalisierungscheck entwickelt. In etwa zehn Minuten geht man die wichtigsten Fragen durch und bekommt ein klares Bild: Wo ist das Büro bereits gut aufgestellt? Und in welchen Bereichen gibt es konkrete Hebel, ohne dass man gleich alles umbauen muss?

Kein Verkaufsgespräch, keine Verpflichtung. Einfach ein ehrlicher Überblick.

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