Mann erstellt eine Website auf einem Computer

Was muss eine Architektur-Website können? Nicht nur Projekte zeigen

Jonas Strübig
5 Min. Lesezeit

Wenn du zehn zufällige Architektur-Websites öffnest, sehen neun davon gleich aus: eine Projektgalerie, eine kurze Seite über das Büro, ein Kontaktformular. Manchmal ein Blog, der seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert wurde.

Das ist kein Zufall. Architekturbüros positionieren ihre Website oft ausschließlich als Portfolio. Das ist verständlich und auch nicht komplett falsch. Aber es ist für die meisten Büros der falsche Schwerpunkt.

Was eine Website im Büroalltag wirklich leisten muss

In kleinen und mittleren Architekturbüros ist der Engpass meistens nicht das Auftragsbuch. Es ist das Team. Wer gute Architekten findet und hält, kann wachsen. Wer nicht findet, stagniert oder muss Aufträge ablehnen, weil die Kapazität fehlt.

Die meisten Büros bauen ihre Website trotzdem so, als wäre Personalgewinnung ein Randthema. Eine Karriereseite mit einer offenen Stelle und dem Satz "Wir freuen uns auf deine Bewerbung" ist kein Recruiting-Kanal.

Ein Bewerber, der sich ernsthaft für ein Büro interessiert, macht heute folgendes: Er schaut sich die Website an, bevor er die Bewerbung schreibt. Er will wissen, wer dort arbeitet. An welchen Projekten er mitarbeiten würde. Ob das Büro irgendwie greifbar wirkt. Ob es echte Fotos vom Team gibt.

Was findet er auf den meisten Architektur-Websites? Projektfotos ohne Rückschlüsse aufs Büroklima und einen "Über uns"-Text, der überall herkommen könnte.

Was Bewerber auf einer Architektur-Website suchen

Bewerber suchen das Gleiche, was Auftraggeber suchen: Vertrauen und Orientierung. Nur die Fragen, die sie beantworten wollen, sind andere.

Auftraggeber fragen: Können die, was ich brauche?

Bewerber fragen: Wie arbeiten die? Wer sind die Menschen dort? Will ich in diesem Büro sitzen?

Was konkret gesucht wird:

Echte Team-Fotos: Kein professionelles Headshot-Grid, das austauschbar wirkt. Fotos, die zeigen, wie das Büro wirklich aussieht. Menschen beim Arbeiten, am Modell, im Meeting.

Namen und Gesichter: Wer sind die Partner? Wer führt die Projekte? Gibt es Mitarbeitende, die man kennt?

Projekttiefe statt Projektbreite: Ein Bewerber will nicht vierzig Projekte sehen. Er will drei bis fünf verstehen. Welche Herausforderung, welche Entscheidung, welches Ergebnis. Das zeigt Denkweise, nicht nur Ästhetik.

Hinweise auf Arbeitskultur: Flexible Arbeitszeiten, Remote-Möglichkeiten, wie das Team zusammengesetzt ist. Das muss nicht als Stellenausschreibung formuliert sein. Es kann auch aus dem "Über uns"-Text sprechen.

Referenzprojekte als Recruiting-Werkzeug

Gute Projektseiten erzählen eine Geschichte. Nicht "Einfamilienhaus München, 2024", sondern: Was war die Herausforderung? Was war die ungewöhnliche Entscheidung? Was hat das Ergebnis ausgemacht?

Das ist aus SEO-Sicht wichtig (mehr dazu im Artikel über SEO für Architekten). Aber es ist auch aus Recruiting-Sicht wichtig.

Ein Bewerber, der liest "Bestandsumbau in einem denkmalgeschützten Gebäude, bei dem wir das originale Tragwerk freilegen und gleichzeitig heutigen Energiestandards entsprechen mussten" versteht sofort, welche Art von Arbeit hier gemacht wird. Ein Bewerber, der eine Bildergalerie ohne Text sieht, versteht nichts.

Drei gute Projektseiten mit je 300 bis 400 Wörtern bringen mehr als zwanzig bildlastige Seiten ohne Kontext. Der Aufwand ist überschaubar. Der Effekt auf Bewerber und auf Google ist erheblich.

Die 5 Seiten, die jede Architektur-Website braucht

Das ist kein universelles Rezept. Aber ein guter Ausgangspunkt für Büros, die ihre Website strukturieren wollen.

1. Startseite mit klarer Botschaft: Was macht ihr, für wen, wo? Keine Lyrik. Kein "Wir gestalten Räume mit Leidenschaft." Sondern: "Architekturbüro in Hamburg, spezialisiert auf Umbauten im Bestand, Wohnungsbau und Schulprojekte." Das hilft Google und hilft Besuchern, sofort zu verstehen ob sie richtig sind.

2. Projektseiten mit Substanz: Keine Lightbox-Galerie, sondern einzelne Seiten mit Text, Kontext und mindestens einem Grundriss oder Schnitt. Wer Zeit für drei gute Seiten hat, soll die drei schreiben, nicht dreißig schlechte.

3. Über uns mit echten Menschen: Team-Fotos, kurze Texte dazu wer die Personen sind, was sie vorher gemacht haben, wofür sie zuständig sind. Kein Jahresbericht, aber auch kein Alibi-Absatz mit drei Sätzen.

4. Leistungsseiten pro Schwerpunkt: Umbau, Neubau, Innenarchitektur: Jede Leistung bekommt eine eigene Seite. Das macht klar, was ihr anbietet und was nicht, und hilft der Auffindbarkeit bei Google erheblich.

5. Karriereseite mit Haltung: Keine offene Stelle in einer Tabelle. Eine Seite, die zeigt, warum es sich lohnt, in diesem Büro zu arbeiten. Was ist besonders? Wie ist das Team zusammengesetzt? Was bietet das Büro, was andere nicht bieten? Selbst wenn gerade keine Stelle offen ist, ist diese Seite sinnvoll. Wer die richtigen Leute anzieht, muss nicht warten bis eine Stelle formal ausgeschrieben ist.

Was deine aktuelle Website leistet und was nicht

Viele Büros zögern mit einer neuen Website, weil sie nicht wissen wo das Problem liegt und ob sich der Aufwand lohnt.

Manchmal fehlt nur ein gutes Foto vom Team. Manchmal ist die Struktur komplett falsch. Manchmal ist das Design zeitgemäß aber der Inhalt veraltet. Ohne eine ehrliche Bestandsaufnahme schießt ihr am eigenen Bedarf vorbei.

Die kostenlose Website-Analyse hilft dabei: Ihr beantwortet ein paar Fragen zu eurer aktuellen Website und dann schaut von uns ein echter Mensch mit viel Erfahrung drauf und sagt euch konkret, was er oder sie sieht und was angepasst werden sollte. Kein automatisierter Report und kein überzogenes Angebot ohne Bedarfsanalyse.

Wenn du noch keine Website hast oder weißt, dass du von Grund auf neu starten willst, gibt es noch eine andere Frage: Was kostet das eigentlich? Mit dem Website-Preisrechner bekommst du in zwei Minuten eine realistische Preisspanne, ohne Anruf, ohne auf ein Angebot warten zu müssen.

Fazit

Eine Architektur-Website, die nur Projekte zeigt, macht einen Teil der Arbeit. Sie erfüllt den Teil, der Auftraggeber überzeugt, die durch eine Empfehlung auf euch aufmerksam wurden.

Den anderen mindestens genauso wichtigen Teil, nämlich Bewerber überzeugen, die aktiv nach einem Büro suchen das zu ihnen passt, erledigen die wenigsten Websites. Wer das ändert, hat einen echten Vorteil auf einem Arbeitsmarkt, der für Architekturbüros schwierig bleibt. Und oft braucht es dafür keine komplett neue Website, sondern nur die richtigen Inhalte an den richtigen Stellen.

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